1. woche 2. Tag – zweiter Tag Weihe unserer Sinne

1. Woche, 2. Tag – zweiter Tag Weihe unserer Sinne

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

Anrufung des Heiligen Geistes

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Glaubensbekenntnis

1 Gesätz vom Rosenkranz

Vater unser – 10 Gegrüßet seist du Maria – Ehre sei dem Vater

PSALM 104

Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern,
sie eilen zwischen den Bergen dahin.
Allen Tieren des Feldes spenden sie Trank,
die Wildesel stillen ihren Durst daraus.

An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.
Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
aus deinen Wolken wird die Erde satt.

Du lässt Gras wachsen für das Vieh,
auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut,
damit er Brot gewinnt von der Erde
und Wein, der das Herz des Menschen erfreut,
damit sein Gesicht von Öl erglänzt
und Brot das Menschenherz stärkt.

Herr, wie zahlreich sind deine Werke!
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit,
darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere.

Sie alle warten auf dich,
dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.
Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein;
öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem.
Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört;
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub der Erde.
Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen,
und du erneuerst das Antlitz der Erde.

Betrachtung

Um leer zu werden von uns selbst, müssen wir uns selbst täglich absterben: das heißt, wir müssen auf die Tätigkeit unserer Seelenkräfte und unserer leiblichen Sinne verzichten; wir müssen sehen, als sähen wir nicht, hören, als hörten wir nicht, die Dinge dieser Welt gebrauchen, als gebrauchten wir sie nicht; der heilige Paulus nennt das „täglich sterben“. – „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein“[Joh 12,24] – und bringt keine gute Frucht hervor.

Wenn wir uns nicht selbst absterben, und wenn unsere frömmsten Andachtsübungen uns nicht zu diesem notwendigen und fruchtbaren Sterben führen, werden wir keine nennenswerte Frucht hervorbringen. Unsere religiösen Übungen bringen uns keinen Nutzen; alle unsere guten Werke werden befleckt sein von unserer Eigenliebe und unserem Eigenwillen. Selbst an unseren größten Opfern und besten Handlungen wird Gott kein Wohlgefallen haben, und bei unserem Tode werden wir mit leeren Händen dastehen, ohne Tugenden und Verdienste. Wir werden nicht einen Funken der reinen Liebe besitzen; denn diese wird nur jenen Seelen geschenkt, die sich selbst abgestorben sind und deren Leben mit Christus in Gott verborgen ist [Kol 3,3].

(Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort, Die vollkommene Hingabe, 81)

WEIHEGEBET

Jungfrau Maria, in dir hat Jesus Fleisch und Gestalt angenommen. Ich weihe dir all meine Sinne, damit sie mir in der Abkehr von oberflächlichen Vergnügungen dazu dienen, den Geschmack der schönen und guten Dinge wahrzunehmen, die der Schöpfer für uns bestimmt hat, und damit ich die Freude kennen lerne, der Weisheit Gottes entsprechend über die Schöpfung zu herrschen. Denn wie der Menschensohn gekommen ist und gegessen und getrunken hat, so will ich, dass alle meine Fähigkeiten zum Wachstum der Liebe beitragen.

Maria, ich weihe dir meine fünf Sinne; reinige sie, damit sie fähig werden, sich des wahren Lebens zu erfreuen und immer mehr die Wirklichkeit der kommenden Güter wahrzunehmen.

O Maria, ohne Makel der Erbsünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen.